25. März 2015

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Jedes Jahr werde ich für den Ernstfall geschult. Auf jedem Flug habe ich den Ernstfall im Hinterkopf. Manchmal nur in einer hinterletzten, schwer zugänglichen Ecke des Hinterkopfes, aber er ist da.

Trotzdem bleibt es nur ein Gedankenspiel.

Bis einen die Realität einholt.

Telefone klingeln, das Handy ertönt in diversen Pings der eintreffenden Nachrichten von besorgten Freunden, Kollegen und Verwandten.
Ich beruhige die einen, die sich um mich sorgen, und weine mit den anderen, mit denen ich mich um wiederum andere sorge.
Ich schalte den Fernseher ein.
Auf den Nachrichtenkanälen laufen Live-Berichterstattung und Newsticker in Endlosschleife. Ich bin wütend auf Hollande, weil er vor die Presse tritt und alle Insassen für tot erklärt, obwohl noch niemand den absoluten, sichtbaren Beweis dafür gefunden hat. Experten erzählen irgendwas, um die Sendezeit zu füllen, denn das, was wirklich wichtig ist – der Grund, das Warum, das Wieso – weiß noch niemand. Vielleicht wird sich diese Frage in den nächsten Tagen oder Wochen zum Teil klären; aber das ganz große Warum – warum mussten so viele Menschen sterben, warum heute, warum dieser Flug, diese Crew, diese Gäste – das bleibt. 
Für immer.

Mein tiefes Beileid gilt den Angehörigen, Freunden und Kollegen der Gäste und denen der Crew.

Und ich hoffe und bete für uns alle, dass ich mir heute zum letzten Mal eine schwarze Schleife an das Revers meiner Uniform hefte.

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1 Kommentar:

  1. Hey , Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und finde ihn sehr interressant und mit viel Witz und Charme geschrieben. Ich bin selbst ganz begeistert von dem Beruf und überlege mich dieses Jahr schon bei LH zu bewerben , da sie seit langem wieder unebfristete Verträge anbieten. Ich hätte bezüglich dies ,noch ein paar Fragen. Wärst du so offen und würdest evtl mit mir in Kontakt treten ? Liebe Grüße Sandhia :)

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