26. April 2013

Eine Flugbegleiterin packt aus - jetzt mal so richtig!


Neulich war ich im Buchladen auf der Suche nach leichter Lektüre für unterwegs, und ich meine wirklich sehr leichte Lektüre, denn wenn ich nach einem 11-Stunden-Tag am Gate sitze und auf den Flieger nach Hause warte, passt nicht mehr wirklich viel in den abgeflogenen, sauerstoffunterversorgten Schädel. Irgendwie blieb ich in einer Abteilung hängen, bei der ich mich gefragt habe, ob es diese eigentlich schon immer gab oder ob sie einfach unseren Zeitgeist widerspiegelt: die Comedy-Abteilung. Jeder Comedian nutzt scheinbar sein Bühnenprogramm zur Zweitverwertung, daneben SMS-/Mail-/Sprüchesammlungen , die entweder von findigen „Autoren“ zusammengetragen oder einfach von eigens zu diesem Zweck gegründeten Facebook-Seiten abgeschrieben wurden. Naja, ich wollte ja was Leichtes. Aber nur Sprüche lesen... auch doof. Da fiel mein Augenmerk auf ein scheinbar ebenfalls neues, eigenes Untergenre: Lustige Erfahrungsberichte von Betroffenen über gewöhnliche Berufe. Ein Buch nach dem anderen sprang mir plötzlich ins Auge: Da gab es Lebensbeichten und schonungslose Abrechnungen über ihren verkommenen Beruf von Frauenärztinnen, verzweifelten Grundschullehrern , Sozialarbeitern, studentischen Supermarktkassiererinnen, polnischen Putzfrauen, Sicherheitspersonal am Flughafen (oh, interessant) und ja: Flugbegleitern (noch interessanter!).
Berufe-Bücher sind der neue Trend. Und die Tatsache, dass auch Flugbegleiter über unseren Beruf mal so richtig ausgepackt haben, ließ mich an so manche Situation an Bord nachdenken. Stimmt eigentlich, wie oft stand ich schon mit Kollegen schallend lachend in der Galley und wir waren uns einig: „Wenn wir zur Rente hiermit durch sind, können wir ein Buch schreiben. Ach nein, mehrere Bücher!“

Also stöberte ich im Buchladen durch die Comedy-Abteilung, Unterkategorie „Berufe“,  Fachgebiet „Flugbegleiter“. Und was soll ich sagen? Ich hatte einen großen Moment der absoluten Erkenntnis, eine Eingebung – ja, die totale Erleuchtung:



Mein Beruf ist sterbenslangweilig.



Zumindest, wenn man ein ganzes Buch darüber schreibt. Es ist ja nicht so, als wäre ich schon das ein oder andere Mal darauf angesprochen worden, ob ich nicht auch vielleicht und so mit Buch und eventuell und überhaupt... Gut, wer würde sich da nicht über die Bauchpinselei freuen, aber letztendlich habe ich mich jedes Mal gefragt: Was soll man denn da bloß schreiben? Richtig, es gibt amüsante und außergewöhnliche Begegnungen, wie die Momentaufnahmen hier im Blog zeigen. Nur jetzt mal ehrlich, wäre mein Berufsalltag wirklich 24 Stunden am Tag so unfassbar aufregend und würde an jeder Ecke der nächste Pax mit der nächsten nervtötenden Begebenheit lauern, hätte ich schon längst gekündigt, weil mein armes Herz vor lauter Aufregung zu jedem Dienstbeginn schon dreieinhalbfache Rittberger mit eingesprungenem Salchow durch meinen Brustkorb gehüpft wäre. Nein, in Wahrheit ist unser Beruf so ereignislos wie der einer Frauenärztin, eines Grundschullehrers, einer studentischen Supermarktkassiererin oder einer polnischen Putzfrau eben auch.



Oder ist es in unserem Beruf etwa airlinespezifisch – vielleicht passiert woanders einfach mehr? Zwischenlandungen wegen alkoholisierten und gewalttätigen Paxen mit anschließender Erstürmung des Fliegers durch die Bundespolizei und Abführen des Übeltäters in Handschellen und Fußfessel, randalierende Schulklassen, Opis, die ihre Griffel nicht bei sich halten können, Paxe, die in die Galley urinieren, weil sie nicht zwei Minuten auf ein freies Klo warten können... alles schon mal angeblich an Bord passiert und von wissenden Flugbegleitern berichtet. Zieht man die Wahrscheinlichkeitsrechnung zu Hilfe, müsste ich mit meiner Berufszugehörigkeit wenigstens einem dieser Ereignisse oder einem ähnlichen persönlich beigewohnt haben – aber nichts davon habe ich je erlebt. Null. Nada. Die Gäste, denen ich an Bord begegne, ziehen es dann doch vor, in der Abgeschiedenheit der Bordtoilette ohne Publikum ihre Blase zu entleeren. Naja, okay, Bundespolizei an Bord... die habe ich dann doch das ein oder andere Mal im Transit gesichtet – auf der Suche nach einem Stückchen Bordschokolade für die nächste Kaffeepause.

Kommentare:

  1. Als ich letztes Jahr von Kos nach Berlin mit der Condor geflogen bin, hat sich ein Passagier in der nicht ganz ausgebuchter Maschine von seiner Reihe 20 in die Reihe 31 gesetzt, in der letzten Reihe dann seine Hose und T-Shirt ausgezogen und begann sein Geschlechtsteil zu manipulieren.

    Ich sass zwei Reihen vor Ihm, als die Steward ihn erwischte.
    Habe mich dann gewundert warum der Service noch nicht beginnt als der Kapitän sich mit einer Ansage meldete: "Meine Damen und Herren, Sie wundern sich bestimmt warum die Kabinenbesatzung noch nicht mit dem Service begonnen hat und warum wir an Höhe verlieren.
    Der Grund ist folgender: Ein Passagier hat sich entschieden nicht weiter mit uns bis nach Berlin zu fliegen. Diesen Wunsch werden wir ihm jetzt erfüllen und in Thessaloniki zwischenlanden.."

    Nach der Landung wartete dann die örtliche Polizeibehörde vor der Tür und nahmen den Passagier mit.

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  2. Iiiih. Sachen gibt's. Wie kommt man auf sowas?

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  3. "Menschliches Bedürfnis" sagte er..

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  4. Ich würde mir wünschen, öfters hier Einträge zu sehen, weil jeder Eintrag einfach wunderbar ist! :) Danke!

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