31. März 2012

Generationenwechsel.

Eine halbe Ewigkeit ist es her, dass ich plötzlich Düse wurde. Ich war unglaublich jung, und die Welt, die sich mir eröffnete, genauso unglaublich spannend. Aufgeregt lauschte ich dienstälteren Kollegen, die immer von “damals” schwärmten. “Damals” auf anderen Flugzeugmustern; “damals”, als der Zusammenhalt innerhalb der Kollegen noch viel besser war; “damals”, als man noch alle Vorgesetzten persönlich kannte und duzte... Damals war einfach alles besser.

Im Laufe der Zeit wich die Faszination der Geschichten von Kollegen meinen eigenen Erfahrungen – und ich habe mittlerweile selbst ein eigenes Repetoire an Fliegergeschichten auf Lager. Das war mir allerdings nie bewusst, bis vor kurzem fühlte ich mich immer noch als das Nesthäkchen von damals, das von den älteren Kollegen unter die Fittiche genommen werden musste, damit es nicht unter die Räder kam - bis zu dem Tag, als ich plötzlich auf eine neue 18jährige Kollegin traf, die seit ein paar Monaten flog .

Ich erzählte ihr, dass ich an unserer Destination noch nie übernachtet hätte – was bei ihr totales Unverständnis auslöste. In einem lauten Ton der Verwunderung, den so enthemmt wohl nur Teenager äußern können, hielt sie mir entgegen: “Waa-haaas?? Du hast da noch niiiiiiieeee übernachtet? Nee, ne? Krass!” Ich sagte ihr, dass das ja durchaus vorkommen könnte, schließlich haben wir so viele Ziele, da gehen manche Sachen einfach an einem vorbei. Ihr Entsetzen war dennoch ungebrochen: “Ja trotzdem... ich hab' diesen Dienst ja dau-ernd! Ich bin da nuu-huuur!” Dauernd meinte in diesem Fall die drei Monate, die sie schon flog.

An diesem Tag gab ich dann zu ihrer Erheiterung noch ein paar Geschichten von damals zum Besten – damals, als der 11. September noch ein Tag wie jeder andere war; damals, als die Sicherheitskontrollen für Crews noch darin bestanden, den Kollegen vom damaligen BGS nur fröhlich zuzuwinken und damals, als überhaupt alles besser war.

Später allerdings, abends im Hotelzimmer, dachte ich wieder an meine Anfänge, als sich drei abgeflogene Dienstpläne noch wie eine Ewigkeit anfühlten – und ich wusste, dass ich von nun an nie wieder ein Crew-Nesthäkchen sein würde.