27. April 2010

Flugbegleiterin: Knochenjob oder doch nur Kellnerin?

Wenn ich Fußgängern erzähle, welchen Beruf ich ausübe, lassen sich die Reaktionen auf zwei Haltungen herunterbrechen. Die einen winken sofort ab: "Ach, Flugbegleiterin ist ja auch nicht mehr so toll wie früher. Du musst ja gar nicht mehr so hohe Voraussetzungen erfüllen. Gut aussehen muss man auch nicht mehr. Und Fremdsprachen - da musste auch nur das Niveau der Deutschen Bahn haben. Und überhaupt, das ist ja wie Kellnern. Eigentlich noch schlimmer. Und man muss immer machen, was die Passagiere wollen. Neee, hätte ich ja gar keinen Bock drauf." (Gut, denke ich mir, haste wohl was falsch verstanden - du kaufst mit dem Ticket nicht die Düse mit. Ich muss gar nix. Und danke für die Blumen.)

Die anderen, die versinken im Mitleid: "Ich bin ja immer total nett zu den Flugbegleitern, wenn ich fliege. Die Armen, die sind ja oft so lange unterwegs, und sehen tun die auch nix mehr von den Zielen. Und dann müssen die auch noch mit unflätigen Paxen klar kommen. Und dieser ganze Streß, die Verspätungen, der Lärm, das geht ja auch alles an die Nieren. Nee, ihr tut mir echt leid. Wirklich."

Man kann sich denken, für welches Gegenüber ich am Ende dieser Gespräche mehr Sympathien entwickelt habe. Ein bißchen Mitleid tut ja immer ganz gut. Obwohl - in Wirklichkeit gibt es sie immer noch, die ruhigen, wohltuenden Momente in der Fliegerei:



Je nach Destination wird auch gerne gemeinsam entspannt. Hier eine Ladegruppe bei der Arbeit (man beachte die höchst lockere Körperhaltung aller Beteiligten - rundherum ist übrigens Rush Hour):

Kommentare:

  1. Der Beruf ist glaube ich mit einem hohen gesundheitlichen Risiko verbunden, wie man der aktuellen Diskussion, um schädliche Luftbestandteile in einem Flugzeug entnehmen kann. Wäre interessant was da rauskommt, wenn die Airlines nicht mauern würden.

    AntwortenLöschen
  2. Ich mag Deine Auszüge und Einblicke ins Flugbegleiterinnenleben! :-)
    Würde zu gerne wissen, ob Du auch hin & wieder auf internationalen Flüge mit Deinem Team unterwegs bist oder ist es meist nur little Germany ..?

    AntwortenLöschen
  3. Ihr seit Engel, Engel der Lüfte!

    AntwortenLöschen
  4. @Mami Made It
    Die gesundheitlichen Risiken sind seit langem bekannt, TCP ist nur ein Teil davon. Was TCP betrifft, ist da schon einiges rauskommen. Interessiert aber die breite Masse nicht, die Welle der Empörung blieb aus.

    @Benjamin
    Sag ich nich :)

    @nff
    Hach, das geht runter wie Öl...

    AntwortenLöschen
  5. Neid ist manchmal die größte Anerkennung. Und oftmals wird dieser durch negative Aussagen transportiert.

    Wer kommt schon so viel rum und kann von sich behaupten, sich ein Soziologiestudium gespart zu haben?
    Während andere fließig am Stuhl des Burn Out sägen, liegen wir in der Sonne und genießen den Ausblick oder tauchen in fremde Kulturen ein.

    Die körperliche Belastung ist nicht von der Hand zuweisen...nicht nur die Strahlen und TCP sondern auch der Rücken oder auch die innere Uhr freuen sich nicht.

    Dennoch ist es irgendwo ein Traumjob, erst heute vom Schornsteinfeger und Call-Centermitarbeiter bestätigt.

    AntwortenLöschen
  6. Ihr müsst ja das Flugzeug im Notfall evakuieren und mir vorher mein schweißnasses Händchen drücken, mir aufmunternde Blicke zuwerfen, wenn ich beim Start heulen muss und mir zehnmal erklären, dass alles mit dem Flugzeug in Ordnung ist.

    AntwortenLöschen