29. April 2010

Better be safe than sorry.

Heathrow und ich. Eine Hassliebe. Ich mag zwar riesige Flughäfen, aber Heathrow und ich, wir werden niemals dicke Freunde. Mir lief ein Schauer über den Rücken, als ich letztens in der Buchhandlung Alain de Bottons neuestes Buch entdeckte. Eine Woche eingesperrt in Heathrow. Alter Falter. Dass der überhaupt da heil wieder rausgefunden hat, aus diesem überdimensionalen Labyrinth, in dem schon aus dem Gang zum Abfluggate eine Tagesreise werden kann.

Und das Ganze dann noch auf englischem Boden. Ich liebe ja die Engländer, wirklich. Der trockene Humor ist grandios und die Tatsache, dass der gemeine Engländer auch in jeder noch so verfahrenen Situation seine positive Grundeinstellung beibehält, hat so manchen Horrortrip mit Delays und AOGs gar nicht so schlimm werden lassen wie erwartet. Der Engländer an sich ist da pragmatisch: "Gut, wir sind zu spät/der Flieger kaputt/das Wetter schlecht - was soll's. Machen wir das Beste draus. More tea?" Für uns als Kabine sehr angenehm, gibt es doch andere Kulturkreise, in denen Ausraster in solchen Situationen zum guten Ton gehören.

Der Engländer an sich hat allerdings eine Riesenmacke: Alles muss doppelt und dreifach abgesichert werden. Und wehe, einer hält sich nicht dran. Vor einigen Jahren schon wurde in England das Rauchen im Turnaround (jaja, es gibt seit Ewigkeiten nur noch Nichtraucherflüge, aber im Turnaround machen wir eh an Bord, was wir wollen) verboten, was manche rebellischen Crews dazu gebracht hat, auch im noch so kurzen Turnaround immer alle Türen zu schließen - damit niemand vom Bodenpersonal spontan hereinschneien und die Crew verpfeifen konnte. Oder aufs Vorfeld gehen - niemals ohne gelbe Warnweste! Auch nicht mal eben kurz die Treppe runter. Steht in England die Todesstrafe drauf. (Paxe dürfen aber kurioserweise kreuz und quer ohne jegliche Absicherung übers Vorfeld zum Flieger laufen. Ohne gelbe Weste.)

Lustig wurde es an bestimmten Destinations vor allem immer dann, als der Cateringwagen andockte. Der Caterer brauchte nämlich immer extra lang zum Beladen des Fliegers (eigentlich eine Sache von zwei Minuten). Nicht aus purer Trödelei, sondern weil er sich erst sein Sicherheitsgeschirr um den halben Körper zurren und dann mit einem Stahlseil im LKW befestigen musste, um von seinem Wagen aus die gefährlichen 10 Zentimeter über die Rampe bis in den Flieger hinein unverletzt zu überstehen. Ich sollte dazu bemerken, dass, wenn es überhaupt einen Schlitz gegeben hätte, durch den er hätte fallen können, es Cirque-du-Soleil-artige Turnkünste gebraucht hätte, um durch diese hindurch runter aufs Vorfeld zu stürzen. So nah, wie der gute Mann mit seinem LKW herangefahren ist. Aber: Better be safe than sorry.

Auf die end- und sinnlosen Sicherheitskontrollen für Crews möchte ich hier erst gar nicht eingehen; sie sind aber vom Unterhaltungswert gesehen nicht minder erheiternd als der Caterer mit seinem Bungeejumping-Geschirr. Wer aber denkt, mit Verlassen des Flughafengeländes ist alles wieder wie daheim, der irrt: Im Hotel wird natürlich ebenfalls auf die Sicherheit der Gäste achtgegeben. Mit absurden Sicherheitsvorkehrungen und der beim Engländer allzeit präsenten Panik, bei gewöhnlichen Tätigkeiten sein Leben zu lassen, nun schon vertraut, wundert man sich gar nicht mehr, wenn man mit tropfnassen Haaren aus der Dusche steigt und erst auf Schnitzeljagd gehen muss, um den Fön zu finden. Englandreisende wissen hier bereits: Man peile den Schreibtisch an, der natürlich in der vom Badezimmer am weitesten entfernten Ecke steht, öffne die Schublade und tadaa: da isser, der Fön. Natürlich nur mit extra kurzer Schnur. Nicht, dass ein längeres Kabel doch noch dazu verleiten könnte, sich den Schreibtisch samt Fön in die Nähe der Badewanne zu rücken, ein wenig Wasser einzulassen und sich doch noch zu suizidieren. Pfiffige Hotels sorgen dann auch dafür, dass sich über besagtem Schreibtisch kein Spiegel befindet - somit wäre auch für den Frühsport à la Pam Ann gesorgt: "Touch hairdryer - run back to the mirror - touch hairdryer - busy, busy - back to the mirror..."


Mal sehen, was Alain de Botton so über Heathrow schreibt. Ich berichte.

27. April 2010

Flugbegleiterin: Knochenjob oder doch nur Kellnerin?

Wenn ich Fußgängern erzähle, welchen Beruf ich ausübe, lassen sich die Reaktionen auf zwei Haltungen herunterbrechen. Die einen winken sofort ab: "Ach, Flugbegleiterin ist ja auch nicht mehr so toll wie früher. Du musst ja gar nicht mehr so hohe Voraussetzungen erfüllen. Gut aussehen muss man auch nicht mehr. Und Fremdsprachen - da musste auch nur das Niveau der Deutschen Bahn haben. Und überhaupt, das ist ja wie Kellnern. Eigentlich noch schlimmer. Und man muss immer machen, was die Passagiere wollen. Neee, hätte ich ja gar keinen Bock drauf." (Gut, denke ich mir, haste wohl was falsch verstanden - du kaufst mit dem Ticket nicht die Düse mit. Ich muss gar nix. Und danke für die Blumen.)

Die anderen, die versinken im Mitleid: "Ich bin ja immer total nett zu den Flugbegleitern, wenn ich fliege. Die Armen, die sind ja oft so lange unterwegs, und sehen tun die auch nix mehr von den Zielen. Und dann müssen die auch noch mit unflätigen Paxen klar kommen. Und dieser ganze Streß, die Verspätungen, der Lärm, das geht ja auch alles an die Nieren. Nee, ihr tut mir echt leid. Wirklich."

Man kann sich denken, für welches Gegenüber ich am Ende dieser Gespräche mehr Sympathien entwickelt habe. Ein bißchen Mitleid tut ja immer ganz gut. Obwohl - in Wirklichkeit gibt es sie immer noch, die ruhigen, wohltuenden Momente in der Fliegerei:



Je nach Destination wird auch gerne gemeinsam entspannt. Hier eine Ladegruppe bei der Arbeit (man beachte die höchst lockere Körperhaltung aller Beteiligten - rundherum ist übrigens Rush Hour):

20. April 2010

Aschefrei.

Nun, wie gerne würde ich euch hier spannende Geschichten einer gestrandeten Crew in Gott-weiß-wo erzählen, aber der Vulkan hat's gut mit mir gemeint: Die Vulkanwolke erreichte Deutschland just an meinem Off-Tag. Nun sitze ich hier und die Stille am Himmel lässt mich darüber nachdenken, wie sich die Welt wohl gestalten würde, gäbe es die Fliegerei nicht mehr.

Mein Leben wäre jedenfalls um einige Attraktionen ärmer. Und viiiiel unspektakulärer.