2. Februar 2010

Sie lügen doch.

Der Winter nimmt kein Ende. Ich bin ja an den ein oder anderen Chaostag im Winter gewöhnt; es gibt dann immer zwei, drei Dienste jedes Jahr, die im absoluten Durcheinander enden. Nur diesmal nimmt das Chaos kein Ende. Dauernd Delay wegen Enteisen, Schneefall oder sonstigen Wetterkapriolen.

In der Regel sind Paxe nicht besonders gut auf Verspätungen zu sprechen (na, wer hätte das gedacht?). Ich weiß nicht, wie oft ich mir schon wilde Beschimpfungen anhören musste, weil der Flieger aus irgendeinem Grund zu spät war. Am lustigsten wird's ja immer dann, wenn draußen ganz offensichtlich das Wetter so schlecht ist, dass es einem Weltuntergang gleicht. Schneestürme, Orkane, Regengüsse so stark, dass der Flieger droht, auf dem Vorfeld davon zu schwimmen oder zu wehen - und es gibt immer noch den einen Pax, der wutentbrannt fragt, warum es denn nicht endlich losgeht. Auch ein bestimmtes "Dann gucken Sie mal nach draußen", kann ihn nicht davon abbringen, wild auf die Firma zu schimpfen und unser Cockpit als Weicheier zu outen: "Die Aeroflot/Air Congo/Nevercomeback Airlines fliegt ja auch!!! Sie lügen doch!"

Überhaupt wird viel gelogen an Bord. Einmal mussten wir im Anflug auf München zehn Minuten ins Holding, weil eine Maschine hinter uns wegen eines medizinischen Notfalls Landepriorität bekommen hat. Unser Kapitän machte dann eine Ansage, dass wir mit etwas Delay landen würden - und schon zippelte mich ein aufgeregter Greis am Ärmel und schrie mir entgegen: "Und sie gehen jetzt zu Ihrem Kapitän und sagen dem jetzt, dass wir uns hier nicht verarschen lassen!!! So eine Scheiße!!! Sie lügen doch, alle zusammen!!! Von wegen Notfall! Ha, das können Sie uns nicht erzählen! Sie lügen!!!"

Ich habe ihm dann erklärt, dass sich für läppische zehn Minuten Delay sich auch nur keiner von uns im Ansatz die Mühe machen würde, sich extra eine Geschichte auszudenken. Wollte er aber nichts von wissen und da der Kunde ja bekanntlich ja König ist, gab ich ihm letztendlich recht: "Jaja, okay, da ist gar kein Notfall. Der Kapitän wollte nur 'ne extra Runde über München fliegen und dem Co aus der Luft seinen neuen Stamm-Italiener in Schwabing zeigen."

Kommentare:

  1. Hat natürlich weitergezetert - die Nummer mit dem Ausflug zum Stamm-Italiener fand er wohl auch nicht wirklich glaubwürdig :)

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  2. Mir war spontan eingefallen: Psst, Ihnen kann ich es ja sagen, wir müssen für Obama bremsen.

    Oder: "Psst, wenn Sie lauter werden, wird der Air Marshal da vorne aufmerksam."

    Oder: "Sorry, Anlügen ist nur in der ersten Klasse inklusive. Hier blieben wir bei der Wahrheit."

    Sag dann bitte Bescheid, wie die gekommen sind ;)

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  3. Ich hatte bislang ja ehe eine gegenteilige Vorstellung: Notfälle werden mindestens mal bagatellisiert, um Bordpanik u vermeiden. Aber das wäre ja mal ein echter Knaller; ein hysterischer Flugkapitän, der beginnt mit "Sehr geehrte Damen und Herren, hier spricht ihr Flugkapitän Riemenpolzer und ich sag Ihnen gleich, ich weiß nicht, ob unser Sprit bis zum Ziel reicht ..."

    Heissasa, das wäre eine Stimmung ...

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  4. :D Haha, die Durchsage mit dem knappen Kerosin gefällt mir auch am Besten :)
    Mal gucken, wie viele dann noch behaupten, sie lügen! Ich wette, keiner, weil alle in Panik verfallen! :D

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  5. Die Leute sind manchmal wirklich unmöglich. Aber da muss man einfach drüber stehen. So ein Flug bedeutet für viele einfach nur Stress pur. Und wenn der Fleger dann auch noch Verspätung hat und man deswegen sämtliche Anschlüsse verpasst, dann kann es schon mal vorkommen, dass der ein oder andere die Nerven verliert.

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