18. August 2009

Eine Seefahrt, die ist lustig...

Ich hasse Turbulenzen. Ja, richtig, auch Flugbegleiterinnen können der permanenten Schaukelei nichts abgewinnen. Mal abgesehen davon, dass man keine besonders elegante Figur macht, wenn man mit seinem tonnenschweren Getränkewagen hin- und herschwankt, als hätte man klammheimlich selbst vor dem Flug die Schublade mit den Minis (die kleinen Schnapsfläschchen) geleert – mir wird einfach schnell schlecht. Meistens kann ich mich nur durch erhöhte Koffeinzufuhr beim Frühdienst wachhalten, was mein Magen mir aber übelnimmt, und so ergeben morgens um sechs starke Turbulenzen in Verbindung mit zwei Litern Kaffee ein eher unangenehmes Flugvergnügen.

Unangenehm war es auch für das kleine Mädchen gestern, dass sich im höchst wackligen Anflug dermaßen übergeben musste, dass in gefühlten zweitausend Fuß, kurz vor Touch-Down, die Eltern ihren Rufknopf bis zur totalen Verausgabung betätigten. Ich bangte mit dem kleinen Schätzchen, reichte Spucktüten durch, die eh zuhauf vorhanden waren; aber mal ehrlich, was erwarten Gäste, was man anderthalb Minuten vor der Landung als Flugbegleiterin tun kann, wenn man schon festgeschnallt auf seinem Stuhl sitzt? Schnell ein Glas Wasser bringen, die Stirn abtupfen, die Tüte halten?? Und dann im Stehen landen und sich den Hals brechen? Letztendlich war alles halb so wild, die Kleine hatte nach der Landung ihre normale Gesichtsfarbe wieder und die Eltern – ja, die reichten mir voller Elternstolz die prall gefüllte feuchte Spucktüte an. Und das in Zeiten der Schweinegrippe. Aber was mich viel mehr entsetzt hat, war mein ureigener Flugbegleiter-Reflex: Selbstverständlich die Hand nach der noch warmen Kotztüte ausstrecken, das Blendamed-Lächeln aufsetzen und aus dem Brustton der Überzeugung ein freudiges „Danke“ flöten.

Wie sehr ich den Servicegedanken mittlerweile verinnerlicht habe, war mir bis dahin gar nicht bewußt. Ich bedanke mich sogar höflich, wenn jemand mir seinen Mageninhalt in die Hand drückt. Gelernt ist gelernt.

Kommentare:

  1. Lustiger Blogname (über Twitter gefunden), finde ich. Vor allem, weil ich ja seit 3 Monaten mit LH pendel und wir unter den mitfliegenden Kollegen immer darauf wetten, was es gibt - PUTENBRUST oder Käse :-)))

    Schinken ist ja nix für Aussereuropäer ;-)

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  2. Ja, die Menüauswahl ist fantastisch, nicht wahr? Allerdings würde ich mich nicht darauf verlassen, dass die Fleischvariante immer auch wirklich Putenbrust ist... ;-)

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