22. August 2009

Alleinreisende Kinder.

Wenn Papa und Mama dreitausend Kilometer auseinander wohnen, verbringt man als Scheidungskind zwangsläufig viel Zeit im Flieger. Mitunter soviel, dass manche alleinreisende Kinder schon im Grundschulalter einen Vielfliegerstatus besitzen, der so manchen Erwachsenen vor Neid erblassen lässt. Dementsprechend ist ein Flug so interessant wie eine Fahrt im Linienbus von Bad Salzuflen und die gelangweiligten Kindergesichter, in die man blickt, können es mühelos mit jedem angefressen-arroganten Unternehmensberater aus der Business Class aufnehmen.

Nun, von soviel Pose lasse ich mich als professionelle Kinderbespaßerin natürlich nicht beeindrucken, und fahre trotzdem alles auf, was unsere Spielzeugkiste hergibt.
(Extra kinderfreundlich säuselnd.) "Naaa, möchtest Du was zu spielen...?"
(Verständnisloser Blick.) "..."
"Ich habe ein Malbuch, ein Puzzle..."
"Kenn ich schon."
"Vielleicht möchtest Du die Spielkarten, oder Schiffe versenken?"
"Nein."
"Das Rätselheft?"
"Nein."
"Oder das Sudoku?"
(Jetzt sichtlich genervt.) "NEIN!!!"
"Oder vielleicht doch lieber die Fingerpuppe, na? Hmm? Oder was anderes? Was zu lesen?"
(Jetzt ganz erwachsen.) "Gut, dann nehme ich einen Spiegel."

18. August 2009

Eine Seefahrt, die ist lustig...

Ich hasse Turbulenzen. Ja, richtig, auch Flugbegleiterinnen können der permanenten Schaukelei nichts abgewinnen. Mal abgesehen davon, dass man keine besonders elegante Figur macht, wenn man mit seinem tonnenschweren Getränkewagen hin- und herschwankt, als hätte man klammheimlich selbst vor dem Flug die Schublade mit den Minis (die kleinen Schnapsfläschchen) geleert – mir wird einfach schnell schlecht. Meistens kann ich mich nur durch erhöhte Koffeinzufuhr beim Frühdienst wachhalten, was mein Magen mir aber übelnimmt, und so ergeben morgens um sechs starke Turbulenzen in Verbindung mit zwei Litern Kaffee ein eher unangenehmes Flugvergnügen.

Unangenehm war es auch für das kleine Mädchen gestern, dass sich im höchst wackligen Anflug dermaßen übergeben musste, dass in gefühlten zweitausend Fuß, kurz vor Touch-Down, die Eltern ihren Rufknopf bis zur totalen Verausgabung betätigten. Ich bangte mit dem kleinen Schätzchen, reichte Spucktüten durch, die eh zuhauf vorhanden waren; aber mal ehrlich, was erwarten Gäste, was man anderthalb Minuten vor der Landung als Flugbegleiterin tun kann, wenn man schon festgeschnallt auf seinem Stuhl sitzt? Schnell ein Glas Wasser bringen, die Stirn abtupfen, die Tüte halten?? Und dann im Stehen landen und sich den Hals brechen? Letztendlich war alles halb so wild, die Kleine hatte nach der Landung ihre normale Gesichtsfarbe wieder und die Eltern – ja, die reichten mir voller Elternstolz die prall gefüllte feuchte Spucktüte an. Und das in Zeiten der Schweinegrippe. Aber was mich viel mehr entsetzt hat, war mein ureigener Flugbegleiter-Reflex: Selbstverständlich die Hand nach der noch warmen Kotztüte ausstrecken, das Blendamed-Lächeln aufsetzen und aus dem Brustton der Überzeugung ein freudiges „Danke“ flöten.

Wie sehr ich den Servicegedanken mittlerweile verinnerlicht habe, war mir bis dahin gar nicht bewußt. Ich bedanke mich sogar höflich, wenn jemand mir seinen Mageninhalt in die Hand drückt. Gelernt ist gelernt.