29. Dezember 2009

Nacktscanner - nein, danke.

Ich will keine Nacktscanner.

Und schon gar nicht jetzt, so kurz nach den Feiertagen, wo ich versuche, an Weihnachten angefutterte Fettpolster wieder zu verlieren. Solange trage ich nämlich meine Uniform eine Nummer größer - ich sehe genauso aus wie vorher, nur ist darunter noch Platz für meine Weihnachtsplautze. Die mit Nacktscanner aber dann jeder sieht.

Silikonbrüste kann ich jetzt wohl auch knicken. Genauso wie das Po-Implantat. Und in 30 Jahren lacht man in der Security über mein künstliches Hüftgelenk. Das dann täglich? Och nö.

5. November 2009

Flughafen Frankfurt.

Wer hat eigentlich Schuld an meiner Berufswahl? Ich sage: der Flughafen Frankfurt. Gut kann ich mich an einige Besuche in meiner Kindheit erinnern - und besonders an das Gefühl, am wirklich kosmopolitischsten Ort auf der (damals für mich noch kleinen) Welt gelandet zu sein. Ein Teil davon sein, das habe ich mir damals wohl fest vorgenommen.

Der Flughafen Frankfurt fasziniert mich immer noch, mittlerweile aus anderen Gründen. Aus flughafenarchitektonischen Gesichtspunkten ist Frankfurt eine Katastrophe, und mit jedem Um-, Aus- oder Anbau wird man als Mitarbeiter oder Passagier mit einer neuen Scheußlichkeit überrascht. Mein kindliches Vorhaben, irgendwann einmal jeden Winkel dieses Riesenkomplexes kennengelernt zu haben, hat sich vor langer Zeit in Luft aufgelöst. Und ich gehöre mittlerweile selbst zu den Leuten, die es tunlichst vermeiden, bei Privatreisen ab Frankfurt zu fliegen. Zu groß die Angst, beim Aussteigen in Terminal B zu erfahren, dass der Weiterflug an A40 stattfindet, Boarding in zehn Minuten.

Frankfurt-Geschädigte wissen, was dann folgt: Turnschuhe an, Trolley umgeschnallt und ohne Rücksicht auf Verluste über alle anderen Paxe hinweg die Treppe runter durch den Tunnel mit der Meditationsbeleuchtung und der beruhigend wirkend sollenden Musik (die ganz nebenbei das eigene Aggressionspotential auf ungeahnte Höchststände bringen) auf dem immer kaputten Laufbahn entlang dann die Treppe wieder hoch gaaaaanz hinten durch um die Ecke rum bis endlich das Gate A40 am Horizont erscheint - um sich dann ein bestimmtes "Der Flug ist geschlossen" am Gate abzuholen.
Nächster Flug geht ab A05. Also wieder: Beine in die Hand und los.

Was sind eure Erfahrungen am Flughafen Frankfurt?

24. Oktober 2009

Bordansagen.

...ich weiß, die Ansage ist übelst alt - getwittert habe ich sie letztens auch schon. Trotzdem kann ich mich immer wieder darüber totlachen.


Ansage Air Berlin

Mich erinnert ja die Ansage an meine eigenen Privatreisen mit Air Berlin. Irgendwie fliege ich immer mit Kapitänen, die von sich glauben, sie hätten ein verborgenes Moderatorentalent, das nur darauf wartet, eines Tages an Bord von einem Medienmogul entdeckt zu werden. Und wie kann man am besten auf sich aufmerksam machen als möglichst jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen? Leider hatte ich an jenem Tag meine Ohrstöpsel vergessen - und so wurde mir der gesamte Flug mit Cockpit-Ansagen untertitelt. Nach der siebten Ansage auf dem zweistündigen Flug habe ich im übrigen aufgehört zu zählen und mich meinem Schicksal ergeben.

(Ach ja, und wer sich immer schon gefragt hat, wie "Schinken oder Käse?" eigentlich aussieht - ich stand Modell für's Filmchen.)

22. August 2009

Alleinreisende Kinder.

Wenn Papa und Mama dreitausend Kilometer auseinander wohnen, verbringt man als Scheidungskind zwangsläufig viel Zeit im Flieger. Mitunter soviel, dass manche alleinreisende Kinder schon im Grundschulalter einen Vielfliegerstatus besitzen, der so manchen Erwachsenen vor Neid erblassen lässt. Dementsprechend ist ein Flug so interessant wie eine Fahrt im Linienbus von Bad Salzuflen und die gelangweiligten Kindergesichter, in die man blickt, können es mühelos mit jedem angefressen-arroganten Unternehmensberater aus der Business Class aufnehmen.

Nun, von soviel Pose lasse ich mich als professionelle Kinderbespaßerin natürlich nicht beeindrucken, und fahre trotzdem alles auf, was unsere Spielzeugkiste hergibt.
(Extra kinderfreundlich säuselnd.) "Naaa, möchtest Du was zu spielen...?"
(Verständnisloser Blick.) "..."
"Ich habe ein Malbuch, ein Puzzle..."
"Kenn ich schon."
"Vielleicht möchtest Du die Spielkarten, oder Schiffe versenken?"
"Nein."
"Das Rätselheft?"
"Nein."
"Oder das Sudoku?"
(Jetzt sichtlich genervt.) "NEIN!!!"
"Oder vielleicht doch lieber die Fingerpuppe, na? Hmm? Oder was anderes? Was zu lesen?"
(Jetzt ganz erwachsen.) "Gut, dann nehme ich einen Spiegel."

18. August 2009

Eine Seefahrt, die ist lustig...

Ich hasse Turbulenzen. Ja, richtig, auch Flugbegleiterinnen können der permanenten Schaukelei nichts abgewinnen. Mal abgesehen davon, dass man keine besonders elegante Figur macht, wenn man mit seinem tonnenschweren Getränkewagen hin- und herschwankt, als hätte man klammheimlich selbst vor dem Flug die Schublade mit den Minis (die kleinen Schnapsfläschchen) geleert – mir wird einfach schnell schlecht. Meistens kann ich mich nur durch erhöhte Koffeinzufuhr beim Frühdienst wachhalten, was mein Magen mir aber übelnimmt, und so ergeben morgens um sechs starke Turbulenzen in Verbindung mit zwei Litern Kaffee ein eher unangenehmes Flugvergnügen.

Unangenehm war es auch für das kleine Mädchen gestern, dass sich im höchst wackligen Anflug dermaßen übergeben musste, dass in gefühlten zweitausend Fuß, kurz vor Touch-Down, die Eltern ihren Rufknopf bis zur totalen Verausgabung betätigten. Ich bangte mit dem kleinen Schätzchen, reichte Spucktüten durch, die eh zuhauf vorhanden waren; aber mal ehrlich, was erwarten Gäste, was man anderthalb Minuten vor der Landung als Flugbegleiterin tun kann, wenn man schon festgeschnallt auf seinem Stuhl sitzt? Schnell ein Glas Wasser bringen, die Stirn abtupfen, die Tüte halten?? Und dann im Stehen landen und sich den Hals brechen? Letztendlich war alles halb so wild, die Kleine hatte nach der Landung ihre normale Gesichtsfarbe wieder und die Eltern – ja, die reichten mir voller Elternstolz die prall gefüllte feuchte Spucktüte an. Und das in Zeiten der Schweinegrippe. Aber was mich viel mehr entsetzt hat, war mein ureigener Flugbegleiter-Reflex: Selbstverständlich die Hand nach der noch warmen Kotztüte ausstrecken, das Blendamed-Lächeln aufsetzen und aus dem Brustton der Überzeugung ein freudiges „Danke“ flöten.

Wie sehr ich den Servicegedanken mittlerweile verinnerlicht habe, war mir bis dahin gar nicht bewußt. Ich bedanke mich sogar höflich, wenn jemand mir seinen Mageninhalt in die Hand drückt. Gelernt ist gelernt.

22. Juli 2009

Paxe.

Einige Situationen haben sich durch die Fliegerei dermaßen in mein Gedächtnis gefräst, dass man mich wahrscheinlich sogar mitten in der Nacht mit Hilfe eines einzigen Ausrufes aus dem Tiefschlaf holen könnte: Paxe.

In unserem mehrwöchigen Flugbegleiterkurs, der eigentlich zur Aufgabe hatte, uns auf unsere spätere Tätigkeit vorzubereiten - was sich allerdings noch als Irrtum herausstellen sollte -, hatte ich dank großem Latinum noch die Vermutung, dass das Wort "Pax" seinen Ursprung im lateinischen Wort "pax" = Frieden haben müsste. Ja, richtig, dachte ich damals, ich bin serviceorientierte, immer lächelnde, gutgelaunte Flugbegleiterin, was liegt da näher als ebenso freundliche und friedvolle Passagiere. Und deswegen würden Passagiere im Fliegerjargon auch "Paxe" genannt werden.

Ha. Von wegen. In den folgenden Jahren wurde ich immer wieder mit der Nase darauf gestoßen, dass meine etymologische Erklärung wohl nicht bei allen Gästen zutrifft. Und so fährt manches Mal ein Ruck durch meine müden Glieder, wenn während einer erholsamen Pause zwischen zwei Flügen der vollgepfropfte Passagierbus vorfährt, und jemand laut durch den verwaisten Flieger schreit: PAAAAAXEEEE!!!

Die Show beginnt.

Nur ein Jahr.

Nur ein Jahr wollte ich Flugbegleiterin sein, ich war frischgebackene Abiturientin und wollte noch ein wenig von der Welt sehen, bevor ich mich in den erbarmungslosen Ernst des Lebens stürze. Damals wußte ich nicht, dass das der Vorsatz so ziemlich aller Flugbegleiterinnen ist - am Ende schaffen nur wenige nach einem Jahr den Absprung. Der Rest, so wie ich, bleibt ewig auf der Suche nach dem Weg zurück in ein geregeltes Leben eines Nicht-Fliegers.

Das hat viele Gründe. Zum einen ist der Beruf der Stewardess noch immer mit einem Funken Glamour und Attraktivität behaftet - in der Financial Times wurde "Stewardess" einmal von den Lesern auf Platz eins der sexiesten Frauenberufe gewählt; welche Frau hört das nicht gerne? Zum anderen üben das unstete Fliegerleben und allerlei abstruse Erlebnisse an Bord auch nach Jahren noch eine derart große Faszination aus, dass es schwerfällt, das eigentlich längst fällige Kündigungsschreiben aufzusetzen.

Nun gut, liebe Leser, herzlich willkommen an Bord! Schnallen Sie sich an, klappen Sie ihr mickriges Klapptischchen vor sich zurück, stellen Sie Ihre ohnehin immer kaputte Rückenlehne in eine senkrechte Position und genießen Sie die Reise durch den alltäglichen Wahnsinn an Bord eines Verkehrsflugzeuges.


Ach ja, an sich sind alle Personen (auch ich), Orte und Ereignisse frei erfunden - falls Sie sich allerdings angesprochen fühlen, möchte ich für Sie hoffen, dass Sie sich nicht gerade mit dem herumpöbelnden Business-Class-Gast identifizieren.